Der schwierige Abschied von Facebook und Instagram

Vor vier Jahren bereits habe ich mich schweren Herzens von Twitter verabschiedet – dem ich bereits 2009 beigetreten war, wo ich viele Kontakte gesammelt hatte, 5000 Follower mein „eigen“ nannte (auch wenn ich nur mit einem Bruchteil davon regelmäßig kommuniziert habe) – und das irgendwie einfach zu meinem Selbstverständnis gehört hatte. Aber 2022 war Twitter eben nicht mehr, was es 2009 gewesen war, und die unsäglichen Auftritte des Elon Musk haben mir den Abschied schließlich erleichtert. Und siehe da, es ist nett auf Mastodon!

Was ich aber weiter parallel genutzt habe: Facebook und Instagram. Facebook seit 2010 – Instagram etwas später, und auch auf diesen Plattformen hatte ich viel Spaß, gute und geistreiche Diskussionen und einige wirklich bereichernde Kontakte, von denen ich manche niemals im „echten“ Leben kennengelernt habe, wo die Wellenlänge aber einfach gestimmt hat.

Auch hier: Zunehmendes Unbehagen! Aber den radikalen Schnitt zu machen, fällt mir hier ungleich schwerer. Weil es halt einfach oft Spaß gemacht hat. Weil es da auch wirklich tolle Menschen gibt, die bisher den Weg ins Fediverse nicht gefunden haben, die aber dezidiert Social Media Kontakte sind, und die ich eben auch nur auf Facebook und Insta antreffe. Das macht mich wirklich etwas traurig. Vor allem, weil ich im Fediverse nirgends Gruppen mit so abgefahrenen Interessen wie Britische Horrorfilme der 60er bis 80er Jahre finde (von denen ich ein Hardcore-Fan bin). Und die Omas gegen Rechts Coburg haben den Weg auch noch nicht gefunden.

Okay. Ich habe nun also Insta und Facebook deaktiviert – noch nicht gelöscht – und versuche, ohne klarzukommen. Was mich dazu treibt, sind die ethisch mehr als fragwürdigen Machenschaften des Meta Konzerns (Polarisierung, Tolerieren von Hass und Hetze, Datenkrake, Reichweite für rechte Parteien). Der letzte Auslöser waren die Reaktionen auf den Post eines Kollegen, der sich positiv über die Omas gegen Rechts geäußert hatte – kurz darauf nicht weniger als 6000 (!) größtenteils hasserfüllte Kommentare. Und Facebook unternimmt dagegen halt nichts.

Bei Meta bleiben um dem entgegenzuwirken? Ich weiß nicht, wer es gesagt hat (wahrscheinlich Marc-Uwe Klings Känguru): Das ist ungefähr so, wie mit einem Zuckerstreuer an die Ostsee fahren und hoffen, dass man die so in einen Süßwassersee verwandeln kann.

Also versuche ich jetzt wirklich ernsthaft (noch ernsthafter als bisher, was aber Spaß nicht ausschließt) rauszufinden, was das Fediverse kann. Und wer weiß, vielleicht outen sich ja doch ein paar Leute als Fans von Christopher Lee, Peter Cushing und Vincent Price und der B-Pictures von Roger Corman oder Terence Fisher. Das würde mir den Wechsel wirklich versüßen und helfen, auf „endgültig löschen“ zu klicken.

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