Meine Morgenrituale – Theorie vs. Praxis

Täglicher Schreibanreiz
Was sind deine Morgenrituale? Wie sieht die erste Stunde deines Tages aus?

Wie sähe mein idealer Morgen aus? Mein Morgen beginnt nicht zu früh. Der Wecker klingelt um 7 Uhr, vielleicht sogar um halb acht, damit ich nicht zu lang in den Tag hinein schlafe. Nach ausführlichem Recken und Strecken begebe ich mich gut gelaunt ins Badezimmer und widme mich einer ausführlichen Morgentoilette einschließlich Haare Waschen und in Form Föhnen. Dabei summe ich ein Liedchen.

In der Küche erwartet mich bereits ein vom Gatten liebevoll gedeckter Küchentisch. Das ebenfalls gut gelaunte Kind ist voller Motivation und startklar für einen neuen Schultag. Natürlich hat er die Zähne geputzt und sich seine Brotdose und sein Getränk schon selbst zubereitet und in dem vorbildlich ordentlich gepackten Schulranzen verstaut. Nach einem letzten Becher Kakao verlässt er das Haus in Richtung Bushaltestelle.

Der Gatte und ich widmen sich einem ausgiebigen weiteren Frühstück, bis auch er sich in seinen Job verabschiedet (Probenbeginn für Musiker ist nicht vor 10 Uhr) und ich die Wohnung endlich für mich habe. Nach einer kurzen Yoga-Einheit setze ich mich innerlich sortiert, frohgemut und aufgeräumt an den Schreibtisch, um meine Unterrichtseinheiten für morgen vorzubereiten. Wo ich natürlich auch erst zum zweiten Block ab 9.45 unterrichten muss, wie immer, versteht sich.

Wie sieht mein Morgen wirklich aus?

Der Wecker klingelt um 6.30. Ich wälze mich aus dem Bett und wanke Richtung Küche, der Gatte dreht sich einmal um. Hatte ja schließlich am Abend vorher Vorstellung und kam erst um halb elf nachhause. Andere machen Yoga. Ich atme und fülle den Wasserkocher. Das Kind kommt angetappt und begrüßt mich mit einem unwirschen: „KAKAO!“ gefolgt von „Ich will heute nicht in die Schule!“

Ich spare mir die Antwort und die damit verbundene Verschwendung von Energie und stelle ihm seinen Kakao hin. Mach mir selbst einen schwarzen Tee. Bereite die Brotdose fürs Kind und mich vor. Das Kind und ich sitzen am Küchentisch, er mit Kakao und Toast, ich mit meinem schwarzen Tee. Ich unterdrücke mühsam den Morgenmuffel in mir und versuche eine kleine Konversation.

„Na, hast du gut geschlafen?“

„Nein.“

„Okay, was war denn los?“

„Nichts.“

„Einfach so nicht gut geschlafen?“

„Nein. Warum muss ich in die Schule?“

Ich atme. Es kommt zum Eklat bei meiner Aufforderung: „Du musst dich jetzt anziehen, du kommst sonst zu spät.“

„MAMAAAAA! ICH WILL HEUTE NICHT…..“

Ich atme. Ich bin einfach kein Morgenmensch. Und ich weiß, wenn ich jetzt gereizt aus der Haut fahre, wird es nichts mit Anziehen.

Und so vergeht die Zeit, bis wir gegen 7.30 zeitgleich das Haus verlassen, er zu seiner Schule („Ich will aber nicht!“), ich zu meiner (zu der ich natürlich ganz dringend will).

Oft, das muss ich zugeben, fährt mein Mann ihn dann auch zur Schule. Das ist eine großer Erleichterung und Entzerrung des Morgens.

So oder so ähnlich läufts. Vermutlich fast überall. Das ist dann schon wieder tröstlich.

(Anmerkung: Das gilt für die Tage, an denen ich tatsächlich auch unterrichte. An den anderen setze ich mich direkt an den Schreibtisch, wenn das Kind auf dem Schulweg ist.)

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