Eigentlich neige ich nicht dazu mir übertriebene Sorgen um mich oder meine Familie oder die Zukunft zu machen. Das Thema Klimawandel ist bei mir wie ein Hintergrundrauschen seit etlichen Jahren präsent, ich versuche meinen Minibeitrag zu leisten, um das Klima zu schonen und mehr kann ich ja eh nicht machen. Es bringt nichts, sich wegen Dingen verrückt zu machen, an denen ich nichts ändern kann, so meine Devise.
Aber an diesem vergangenen Wochenende mit seinen 41, x Grad hat sich bei mir ein Schalter umgelegt. Von leicht resignativer Ruhe auf helle Panik. Es hatte 33 Grad im Wohnzimmer, keine Dachwohnung, alle Fenster verdunkelt. Wir haben uns zeitweise in den Keller geflüchtet und neben der Waschmaschine Maumau gespielt. Wir haben viel getrunken und mies geschlafen – und da war sie plötzlich, die Panikattacke Samstagnacht gegen drei Uhr. Aus einem leichten Schlaf hochschrecken. Schweißgebadet. Ins Wohnzimmer wanken, um etwas zu trinken, die Balkontür ist sperrangelweit offen, die Innentemperatur trotzdem immer noch bei 30 Grad. Ich hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, habe mich gezwungen, ruhig zu atmen, bin auf den Balkon gegangen – wo mir eine ähnlich lauwarme Brühe entgegenschlug wie im Zimmer, wo sich kein Lüftchen regte.
Dass das alles nicht mehr normal ist, weiß ich auch schon lange, aber wissen und schlagartig realisieren sind zwei Paar Schuhe. Weiter ruhig atmen. Weiter gegen die Panik ankämpfen. Irgendwann übermüdet wieder ins Bett sinken und einen leichten unruhigen Schlaf schlafen.
Am nächsten Tag habe ich den Fehler gemacht, nach längerem mal wieder auf mein Facebookprofil zu schauen und durch die Timeline zu scrollen. Was es gebraucht hätte: Eine Welle virtueller Solidarität, zum Beispiel mit alten und kranken Menschen, die dieses Wochenende in weitgehend unklimatisierten Krankenhäusern und Altenheimen erlebt haben, womöglich dement, nicht in der Lage zu verstehen, warum sie jetzt evakuiert werden müssen. Ein gemeinsamer Aufschrei, dass endlich alle Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Folgen des Klimawandels zumindest abzumindern, sodass es eben nicht zu den anvisierten drei Grad Erwärmung kommt.
Statt dessen unter ausnahmslos JEDEM Artikel zum Thema neben Zustimmung mindestens die Hälfte Kommentare unter jedem Niveau, Deppensmileys und Häme. Und das ist es, was mir wirklich an diesem Wochenende den Rest gegeben hat.
Es braucht eine gemeinsame Anstrengung, politischen Willen und wirklich alle Energie, um etwas zu bewegen. Und das geht so vielen Menschen völlig am Arsch vorbei.
Es macht mich unfassbar wütend, traurig und verzweifelt.

