Ganz eindeutig: Den Winter! So ein richtiger Sommermensch war ich nie, auch nicht in jungen Jahren. Ich war schon immer ein Fan des Herbstes. Hätte man mich vor 20 Jahren nach einem Ranking der Jahreszeiten nach persönlicher Beliebtheit gefragt, hätte ich geantwortet:
Platz 1: Der Herbst.
Platz 2: Der Frühling.
Platz 3: Der Sommer.
Auf Platz vier, weit abgeschlagen der Winter. Schneematsch. Bäh. Dunkel, kalt, nichts los, außer dem ebenfalls bei mir nicht wirklich beliebten Weihnachtsfest.
Inzwischen ist der Winter für mich auf Platz 2 vorgerückt, noch vor Frühling und Sommer. Wenn es dunkel ist, kann man Licht anmachen. Wenn es kalt ist, die Heizung aufdrehen oder eine Schicht Kleidung mehr anziehen. Inzwischen liebe ich sogar den Weihnachtsmarkt, und am allermeisten liebe ich es, mich in den Weihnachtsferien (privilegierte Lehrkraft mit halber Stelle, die ich bin) mit Buch und Heißgetränk im Bett einzurollen oder sämtliche Folgen Game of Thrones durch zu schauen, weil ich weiß, dass ich draußen nichts verpasse.
Inzwischen liebe ich auch Schnee, besonders, wenn die Sonne drauf glitzert oder er in dicken wolligen Flocken fällt. Ich liebe es, meinem Kind beim Rodeln zuzuschauen, wenn es denn ein Winter mit Schnee ist.
Kurz, ich liebe das Kühle, das Unaufdringliche, das Gemütliche des Winters.
Während ich den Sommer, nicht erst seit der Hitzewelle vom vergangen Wochenende, eher erdulde als genieße. Okay, Schwimmen ist schön, ich schwimme gerne, ob im See oder im Freibad. Aber da ist es mir dann auch schon wieder zu aufdringlich und trubelig.
Der Sommer sagt dauernd: Mach was, unternimm was, das Wetter ist schön, alle sind draußen, sei kein Stubenhocker. Der Winter sagt: Komm bei dir an, entspann dich, sei du selbst, es ist okay, wenn du es dir gemütlich machst und liest oder fernsiehst. Wobei ich im Winter tatsächlich auch gern draußen bin. Im Gegensatz zum Sommer, wo ich außer Schwimmen sehr wenig Bewegung will, weil es mir einfach viel zu heiß ist.
Kurz, Herbst weiterhin auf Platz 1, aber jetzt gefolgt vom Winter, den ich mag, weil er sich mir nicht aufdrängt und der meiner Psyche und meinem Körper einfach guttut.
Hätte ich vor 20 Jahren noch nicht gedacht.
