Die harten Jahre und was da durch trägt/ getragen hat

Tägliche Schreibanregung
Welches Kapitel deines Lebens würdest du „Die harten Jahre“ nennen – und was hat dich da durchgebracht?

Der Dayly Prompt heute ist deshalb nicht so leicht zu beantworten, weil ich gar nicht weiß, welche Zeit ich explizit als die harten Jahre meines Lebens bezeichnen soll. Nicht weil mein Leben leicht gewesen wäre, sondern weil mit wenigen Ausnahmen alle Lebensabschnitte ihre Härten hatten. Würde ich an Karma glauben, würde ich denken, dass ich es mir in einem oder mehreren meiner früheren Leben ziemlich damit verschissen habe. Würde ich daran glauben, dass „wir“ uns die Herausforderungen des Lebens selbst aussuchen, um daran zu wachsen (also unsere Seele, vor der Geburt), würde ich mir Masochismus oder Größenwahn unterstellen. Tatsächlich erinnere ich mich nicht an längere Lebensspannen, in denen es einfach so leicht und locker dahingeflossen wäre.

Und immer wenn es so schien, kam die nächste Krise schon um die Ecke.

Das heißt aber nicht, dass alles durch die Bank schlecht war. Es war eben LEBEN. Verglichen mit dem Leben von Kriegskindern war es vermutlich sogar eher flockig.

Zählen wir mal auf, welchen Cocktail dieses LEBEN mir aufgetischt hat:

  • Dysfunktionales Elternhaus
  • Mobbing in der Schule
  • Frühe Konfrontation mit dem Thema Tod
  • Das ganze kombiniert mit einer hohen Sensibilität
  • Bekanntschaft mit Alzheimer in der Familie bereits in sehr jungen Jahren (nicht die Betroffenen waren jung, sondern ich, als ich das erste mal damit konfrontiert wurde)
  • Ein beinahe tödlicher Autounfall meines Vaters, als ich vier war
  • Konflikte im Arbeitsleben
  • Krebs

Was hat mich da durchgebracht? Vermutlich mein Überlebenswille. So eine innere Haltung, die sagt: Das kann doch noch nicht alles gewesen sein! Da muss noch was Gutes, Besseres, kommen. Die Bereitschaft, mich mit dem ganzen Scheiß aktiv auseinanderzusetzen, ohne in wirklich schädliche, destruktive Bewältigungsmuster abzudriften. Bereits sehr früh die Flucht in Bücher und die Freundschaft mit den Heldinnen und Helden darin, die zum Teil noch viel Schwereres bewältigen mussten. Bastian Balthasar Bux aus der Unendlichen Geschichte (Michael Ende) ist fast so etwas wie ein Alter Ego von mir – stellt ihn euch als Mädchen vor, und ihr habt mich in dem Alter. Fantastische Geschichten jeder Art haben mir gut getan, sie haben mir geholfen, meine Konflikte auf der Ebene der Phantasie zu bearbeiten und meinen Weg da hindurch zu finden. Sehr früh kam auch das Schreiben hinzu, bereits mit 13 begann ich Tagebuch zu schreiben, eine Gewohnheit, die ich bis heute weiterverfolge (meist tatsächlich handschriftlich, manchmal auch hier im Blog).

Es gab einzelne Menschen, die mir sehr nahegestanden haben (und zum Teil noch stehen). Und eine gute Therapeutin. Aber, um ehrlich zu sein, Menschen stehen auf meiner Liste von „was mir geholfen hat, schwere Zeiten zu überstehen“ nicht ganz oben. Menschen im Allgemeinen waren eher Problem, als Lösung. Ausgenommen einige wenige.

Und natürlich, last not least, mein Glaube. Mit ungefähr 20 Jahren habe ich mich in Jesus verliebt, der für mich so viel mehr ist, als irgendein „Vorbild“ oder „guter Mensch“. Er ist es, der mir in einer für mich unüberbietbaren Weise zeigt, wo die Reise hingeht: Zur Auferstehung, nicht erst nach dem Tod, sondern in diesem Leben schon, nach jeder einzelnen Krise.

Und Humor. Man braucht, um diesen ganzen Käse, der sich LEBEN nennt zu überstehen, ein gerüttelt Maß davon.

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