Einmal kurz in den Blog kotzen – unreflektiert, persönlich, subjektiv, weil Schreiben auch ein Ventil ist

Vorgestern kamen wir aus einem dreiwöchigen Urlaub zurück – gegen Anfang der dritten Woche erreichte mich ein Anruf, meine über 90jährige Tante sei im Krankenhaus, es sei aber nicht so schlimm, nur ein Harnwegsinfekt.

Damals, vor etwa 10 Tagen, die mir jetzt schon vorkommen wie eine Ewigkeit, sah ich wenig Grund zur Beunruhigung, meine Tante lebt allein, ist leicht bis mittel dement, kriegt den Alltag aber noch ganz gut gebacken, dachte ich, wird wohl einfach wieder nachhause kommen.

Was ich nicht wusste ist, dass gerade Harnwegsinfekte in dem Alter und bei leichter Demenz nicht wirklich toll sind, weil sie, wie das medizinisch genau zusammenhängt weiß ich nicht, Demenzsymptome verstärken können und zwar offenbar bis hin zum Delir.

Während ich also durch Tirols schöne Landschaft wanderte, spielte sich im Krankenhaus ein mittleres Drama ab. Die Tante total durch den Wind, komplett desorientiert, weshalb das Entlassungsmanagement in seiner unendlichen Weisheit beschloss, sie nicht nachhause, sondern in ein betreutes Wohnen zu entlassen. Ja, es war kurz abgesprochen. Nein, mir war nicht klar, dass das für den Übergang in der Situation keineswegs eine geeignete Lösung ist.

Je länger ich drüber nachdenke, desto irrer kommt es mir vor. Natürlich nicht ein betreutes Wohnen in Wohnortnähe meiner Tante. Sondern in irgendeinem Kaff in der oberbayerischen Prärie, und es dauerte keine zwei Stunden nach ihrer Ankunft, dass es Anrufe hagelte, weil meine Tante da buchstäblich die Wände hochgeht. Und natürlich sollte ich auch gleich einen Mietvertrag unterschreiben, wenn auch erstmal 28 Tage zum Probewohnen.

Ende vom Lied: Jetzt ist sie in einer geriatrischen Psychiatrie, weil sie aus verständlichen Gründen komplett durchgedreht ist und die Pflegekräfte körperlich angegangen ist. Die Geriatrie ist natürlich auch nicht in Nähe unseres oder ihres Wohnortes, sondern in der Nähe des Kaffs mit dem betreuten Wohnen und ich hänge seit 10 Tagen nur noch am Handy.

Was hätte man stattdessen tun können??

Entlassungsmanagement heißt, wenn ein Patient nicht nachhause kann, muss er in eine GEEIGNETE Pflegeeinrichtung entlassen werden. Ein betreutes Wohnen halte ich jetzt nach den Erfahrungen der letzten 10 Tage definitiv NICHT für geeignet für diese Situation. Geeignet wäre eine geriatrischen Station gewesen, wo man erstmal hätte abklären können, was an ihrem psychischen und mentalen Zustand jetzt eigentlich dauerhafte Demenz ist und was dem aktuellen Gesundheitszustand geschuldet ist.

Wenn es keine geeignete Möglichkeit gibt, hat das Krankenhaus im Grunde die Pflicht, die Leute erst mal 10 Tage da zu behalten, statt sie 100 Kilometer durch die Prärie zu schicken. Ist doch klar, dass ein Mensch, der sowieso schon dement ist, da komplett durchdreht. Das alles wurde mir leider viel zu spät klar.

Wie kommt man bitte auf die Idee in so einer Situation in ein betreutes Wohnen zu entlassen?? Dummerweise habe ich dem zugestimmt, weil ich es nicht besser wusste und weil ich halt nichts aus dem Boden stampfen kann, aber ey, bin ich die Fachfrau oder sollte man das vom Personal eines Krankenhauses erwarten dürfen?

Meine Tante tut mir so leid, ich kann es euch gar nicht beschreiben. Und ich hoffe, dass die in der Geriatrie wo sie nun ist nicht noch mal irgendeinen Murks machen bei der Entlassung sondern sich eine Lösung findet, mit der sie und wir halbwegs leben können.

Dreimal dürft ihr raten, wer in der Wahrnehmung der Tante ihr das jetzt eingebrockt hat. Ich natürlich, denn ich habe eine Vorsorgevollmacht. Und das ist alles grad richtig kacke.

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