Warum die Verengung des Familienbegriffs auf Vater-Mutter-Kind nicht nur für Menschen mit LGBT-Hintergrund ein Problem darstellt….

…merken wir gerade am eigenen Leib, beim Thema Pflege. Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen „engen Angehörigen“ und halt nicht so engen und irgendwie gar nicht Angehörigen.

Enge Angehörige sind die klassischen Vater-Mutter-Kind-Großeltern-Konstellationen. Kommt es hier zu Pflegebedarf, gibt es (was auch ziemlich wenig ist) das Recht auf 10 Tage Sonderurlaub.

Pflegst du eine Tante oder einen Onkel, gibt es das nicht, höchstens als unbezahlten Urlaub bei einem kulanten Arbeitgeber, aber du hast kein Recht drauf.

Ebenso bei Beerdigungen: Vater-Mutter-Kind-Ehefrau sind enge Verwandte. Da gibt es im Todesfall Sonderurlaub.

Tante, Onkel, sonstige An- und Zugehörige: Nope.

Da ist es auch egal, ob du als Kind mehr bei der Tante als bei den eigenen Eltern warst, ob du eine Vorsorgevollmacht für sie übernommen hast oder dich einfach ethisch verpflichtet fühlst.

Lustigerweise können Schwager oder Schwägerin als enge Verwandte durchgehen, weil das sind ja Geschwister deines Ehegatten oder deiner Ehegattin, und das gilt dann als eng. (Erklärt mir zumindest die KI.)

Die Schwester meines Mannes, die ich zweimal im Jahr sehe, wäre also vom Gesetzgeber her „enger“ als die Tante, bei der ich meine halbe Kindheit verbracht habe.

Gar nicht berücksichtigt werden enge Freunde und Freundinnen, für die man sich verantwortlich fühlt.

Der Gesetzgeber definiert, was ein enger Angehöriger ist und was nicht. Das finde ich schon ziemlich seltsam. Noch scheint es zu funktionieren. Mal abwarten, wie es ist, wenn die Gen X ins zu pflegende Alter kommt.

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