Ganz klar: Mit Stephen King, allerdings eher mit dem heutigen „altersmilden“ als mit dem von früher. Warum? Erstens, weil die Küche der amerikanischen Ostküste sensationell sein soll, vor allem die Fischgerichte. Überzeugen konnte ich mich bisher nicht davon, da mein Fuß den amerikanischen Kontinent bis heute nicht betreten hat. Aber man hört von Muschelsuppe, Hummer, Meeresfrüchten und allen Variationen von Fisch – ich hoffe Stevie kann kochen. Oder seine Gattin.
Zweitens natürlich, weil ich mich unglaublich gern mit ihm unterhalten würde. Worüber ich mich mit ihm unterhalten würde? Vermutlich wäre ich so geflasht, dass ich vor Aufregung kein Wort rausbringe, wie so ein Fangirlie eben. Aber wenn, dann würde ich mich gern mit ihm über Politik und Gesellschaft unterhalten. All seine Bücher sind voll mit sozial- und gesellschaftskritischen Themen. Beim dritten Glas Weißwein würden wir gepflegt über das Trump Regime ablästern und darüber diskutieren, inwieweit der fiktive Staat Gilead von Kings Kollegin Margaret Atwood bereits Realität ist, und ob und wie Roland von Gilead aus „Der Dunkle Turm“ vielleicht über ein Weltenportal in die Geschichte von Atwood gelangen und dort kurzen Prozess mit der regierenden Kaste machen könnte.
Apropos Dunkler Turm: Nein, ich würde Stephen King nicht um ein alternatives Ende anbetteln (wie es seine Fans wohl nach Erscheinen von Band 7 getan haben) – ich fand das Ende nämlich ebenso sensationell wie philosophisch tiefgründig, werde hier aber nicht spoilern. Nur so viel, dass ich Nächte lang darüber gegrübelt habe.
Und ich würd danke sagen für die großartigen Charaktere seiner Bücher, vor allem die Kinder, die es immer wieder schaffen, dank ihrer Resilienz und Klugheit dem Horror zu entgehen. Sei es der Club der Verlierer in „Es“, Danny in „The Shining“ oder Jake in „Der Dunkle Turm“. Und natürlich die die Jugendlichen in „Das Institut“ – ganz großes Kino. Kopfkino.
Mr. King, würde ich sagen, Sie haben mich Resilienz gelehrt. Ihre Charaktere machen vor, wie Resilienz aussieht – allem (Alltags-)Horror zum Trotz. Und jetzt zeigen Sie mir mal, wie man mit der Hummerzange umgeht.
Leider stehen die Chancen auf ein gemeinsames Essen mit dem Meister eher schlecht – Mr. King scheut den Fan-Kontakt, und ich kann das absolut nachvollziehen, nach der Lektüre von „Misery“ („Sie“).
